Seit dem 20. Januar 2025 ist die «Köfferlilok» bis auf Weiteres im Verkehrshaus der Schweiz (VHS) stationiert.
Ce 6/8 I 14201
«Köfferlilok»
Die Ce 6/8 I Nr. 14201 wurde als Probelok für die Elektrifizierung der Gotthardstrecke bestellt. Die Einzellok wurde auch bekannt unter dem Namen «Köfferlilok» und «Grossmutter».
Ce 6/8 I, Indienststellung 1919, Einzelstück, heute nur noch rollfähig, Höchstgeschwindigkeit 65 km/h, Gewicht 126,8 t, flacher Schrägstangenantrieb, nicht Prototyp für Ce 6/8 II.
Die Geschichte der Ce 6/8 I 14201 «Köfferlilok»
© André Müller, Team Erstfeld
Am 7. Juli 1919 wurde die Fc 2x3/4 12201 (dies war anfangs ihre Bezeichnung und Betriebsnummer) als letzte der vier Probeloks nach Bern gebracht. Im Planeinsatz erschien die Maschine erst eine Woche nach dem ersten Krokodil des Typs Ce 6/8 II 14251 (vormals Fc 2x3/4 12251) im Dezember 1919.
Vom Depot Bern aus wurde die Lok vor Güter- sowie Personenzügen eingesetzt, gelegentlich auch vor Schnellzügen Bern-Thun-Bern. Am 20. Januar 1920 wurde die Lok offiziell von den SBB übernommen.
Während rund einem halben Jahr wurde die nachträglich eingebaute Rekuperationsbremse (Nutzstrombremse) von BBC zwischen Kandersteg und Frutigen erprobt.
Ab dem 18. Oktober 1920 erschien die Maschine wieder im Plandienst als Ce 6/8 I 14201.
Als die Elektrifizierung des Gotthards abgeschlossen war, wurde die Lok ab März 1921 dem Depot Erstfeld zugeteilt um sich fortan die Dienste mit den Ce 6/8 II (Krokodil) zu teilen.
Da sich die Lieferung der Probeloks hinzog (man bedenke, damals tobte Krieg in Europa!) sah sich die SBB gezwungen, die ersten elektrischen Serienloks für den Personen- und den Güterzugsdienst am Gotthard bei den Herstellerfirmen zu ordern, noch bevor die Probeloks fertiggestellt waren. Somit konnten diese vier Maschinen (die restlichen drei waren die Be 3/5 11201, die Be 4/6 12301 und die Be 4/6 12301) ihren eigentlichen Zweck nie erfüllen.
Das einzige, das es mit der Ce 6/8 I zu erproben gab, war die Rekuperationsbremse, die nach der Fertigstellung der Lokomotive eingebaut wurde. Diese Bremse war eine Eigenentwicklung von BBC, welche für die damalige Zeit sehr leistungsfähig war. So war es ihr möglich, nebst dem Lokgewicht von 118t einen angehängten Zug von 300t bei Talfahrt am Gotthard in Beharrung zu halten.
Da diese Bremse in der Bedienung umständlich und der Aufbau sehr komplex war, kam es immer wieder zu Kurzschlüssen und Überschlägen, was mehrfach zu Hauptschalter-Explosionen führte, weswegen die elektrische Bremse während einer Revision 1931 stillgelegt und ausgebaut wurde.
Zwischen 1925 und 1930 diente die Lok auf der Südseite des Gotthards vom Depot Biasca aus nach Airolo, hauptsächlich als Vorspannmaschine, da sie dank der elektrischen Bremse jeweils im Alleingang nach Biasca zurückkehren konnte. Als dann ihre E-Bremse 1931 demontiert war, wurde die Lok wieder vom Depot Erstfeld aus eingesetzt.
Ab 1938 wurde die Lok nach Basel versetzt, wo sie im schweren Güterzugdienst eingesetzt wurde.
Anfang des Jahres 1961 wurden zwei Fahrmotoren schwer beschädigt was zu einer Neuwicklung der Motoren zwang, da man in absehbarer Zukunft noch nicht auf die kräftige Lok verzichten wollte. Die beiden defekten Motoren wurde ausgebaut und durch Ballast ersetzt. In diesem Zustand wurde die Lok ins Tessin versetzt, wo sie mit halber Leistung im leichten Streckendienst nach Biasca und im Rangierdienst in Lugano eingesetzt wurde. Im Oktober des selben Jahres wurden die revidierten Motoren eingebaut und die beiden anderen Motoren wurden ebenfalls revidiert. Am 3. Dezember 1962 verliess die Lok die HW Bellinzona nach einer R3 und wurde fortan wieder ab dem Depot Basel vor Güterzügen eingesetzt. In den Jahren von 1963 bis 1966 sanken die jährlichen Laufleistungen von 101‘00km auf gerade mal 4‘000km pro Jahr.
Ab Ende 1964 begann man mit der Ausrangierung der älteren elektrischen Lokomotiven, allen voran stand die Ce 6/8 I auf praktisch allen Listen oben an. Da sie unter den vier Probeloks den besten Zustand hatte, wurde die Lok dem regulären Betrieb entnommen (wo sie öfter als Depotkompressor-Ersatz denn als Lokomotive eingesetzt wurde) und für Bremsversuche dem Depot Bern zugeteilt.
Betriebsfähig sei die Lok damals noch gewesen, aber das Fahrwerk der Lok hat über den jahrzehntelangen Einsatz doch gelitten was sich in einem eher schlecht als rechten Zustand und uncharmanten Laufeigenschaften äusserte. Dies führte im August 1968 zu einer Fahrwerksrevision R1 in der HW Yverdon. Die Revision scheint sich gelohnt zu haben, denn diverse ältere Lokführer konnten die Lok durch die neue, ruhige Gangart kaum wieder erkennen. In diesem Zustand wurde die Bremsversuchslok - mittlerweile mit dem Spitznamen Grossmutter - im Betrieb geschont.
Der Zustand der Verkabelung begann indes immer mehr Sorgen zu bereiten, da eine Neuverkabelung der Lok nicht mehr in Frage kam, wurde die Maschine - aus Angst ein Kabelbrand könnte ausbrechen - vorsorglich ausrangiert.
Nach einer aktiven Dienstzeit von 63 Jahren und einer Gesamtlaufleistung von rund 2,5 Millionen Kilometer wurde die Maschine als Letzte der vier Probeloks Ende Mai 1982 ausrangiert.
Seither ist die Maschine in rollfähigem Zustand erhalten geblieben und kann - mittlerweile zum zweiten mal in ihrer „Musealen Karriere“ - wieder im Verkehrshaus in Luzern bewundert werden, als einmalige Zeugin der Anfänge des elektrischen Betriebes am Gotthard.